Hauptmenue

Die Geschichte und Vorgeschichte unserer Gemeinde

Das Gebiet unserer Kirchengemeinde
Das Gebiet unserer Kirchengemeinde

Das Gebiet unserer Kirchengemeinde war bis zum II. Weltkrieg ländlich strukturiert und nur vereinzelt von wenigen Katholiken bewohnt. Wohngebiete im heutigen Sinne gab es nicht.

Erst mit dem Bau der Siedlung "Wellensiek", die Ende der 20er Jahre auf den Äckern des durch Feuer zerstörten Bauernhofes Wellhöner errichtet wurde, beginnt die Geschichte der Heilig-Geist-Gemeinde. Bis dahin lagen entlang der Werther Straße, zwischen Voltmannstraße und Großdornberger Straße fünf Bauernhöfe: Voltmann, Kleineberg, Wellhöner, Lohmann und Schürmann. Auf den Höfen Voltmann und Kleineberg wurde die Universität erbaut; auf den Höfen Lohmann und Schürmann entstanden Wohnsiedlungen, zuletzt auch auf dem Hof Schürmann, auf dessen Gelände unsere neue Kirche liegt.

1930 wohnten im „Wellensiek" 1300 Einwohner, darunter 90 Katholiken, ein Jahr später 1780 Einwohner, darunter 180 Katholiken. Um ihnen den weiten Weg zum Gottesdienst nach Bielefeld zu ersparen, sorgte die Pfarrei St. Jodokus dafür, daß sonntags ein Gottesdienst in einem Klassenzimmer der neuerbauten Wellensieker Volksschule stattfinden konnte.

Ehemalige Heilig-Geist Kirche
Ehemalige Heilig-Geist Kirche

Am ersten Gottesdienst, einem feierlichen Hochamt, nahmen am 07.12.1930, dem 2. Advent, 110 Personen teil. Das Jahr 1930 kennzeichnet deshalb den Anfang unserer Gemeinde. Bis 1944 wurde der Gottesdienst in der Schule gefeiert.

Zwischenzeitlich begann man mit dem Bau der ersten Heilig-Geist-Kirche im "Wellensiek". Der erste Spatenstich geschah 1939, vier Wochen vor Ausbruch des II. Weltkrieges. Im gleichen Jahr wurde der Rohbau fertiggestellt, dann aber während des Krieges stillgelegt. 1943 konnte die Genehmigung zum Weiterbau erwirkt werden. Am 10.04.1944 (Ostermontag) war Kirchweih. Eine kleine Glocke wurde 1948 geweiht (Oswaldglocke).

Bereits am 10.06.1942 war vom Paderborner Erzbischof die "Katholische Heilig-Geist-Gemeinde" als Filialgemeinde (Pfarrvikarie) der Pfarrgemeinde St. Jodokus offiziell gegrün­det worden. Sie umfasste die Ge­biete Wellensiek, Großdornberg, Kirch­dorn­­berg und Ba­benhausen. Später wurden weitere Gebiete hin­­zugefügt, so Nieder­dornberg-Dep­­pen­dorf, Ho­­berge, Ueren­trup und Tei­le der früheren Gemeinde Gellershagen sowie von Schrö­­ttinghausen.

Als nach dem II. Weltkrieg die Zahl der Katholiken durch Aufnahme von Vertriebenen aus den Ostgebieten stark anwuchs, wurden in Kirchdornberg im Konfirmandensaal und später in der ev. Peterskirche sowie in Hoberge-Uerentrup im Gemeindehaus Hl. Messen gefeiert. 1958 konnte im Wellensiek ein Einfamilienhaus als Pfarrhaus und 1969 ein Doppelhaus erworben werden, das später teilweise als Gemeindehaus diente.


Frühere Kirche ‘Heilige Familie’ in Uerentrup
Frühere Kirche ‘Heilige Familie’ in Uerentrup

Als 1962 in Uerentrup aus einer zweckgebundenen Stiftung ein Grundstück zur Verfügung stand, begann man im gleichen Jahr mit dem Bau einer weiteren Kirche, die am 23.05.1964 der Heiligen Familie geweiht wurde. Das Hl. Messopfer wurde damals - erstmals seit Jahrhunderten - wieder zur Gemeinde gewandt zelebriert.

Doch auch diese zweite Kirche konnte nicht allen Herausforderungen genügen. Die Gemeinde wuchs weiter. Beide damaligen Kirchen der Gemeinde, die Heilig-Geist-Kirche im Wellensiek und die Kirche Heilige-Familie in Uerentrup, hatten aber im Pfarrgebiet eine ausgesprochene Randlage. Diese Schwierigkeit verstärkte sich ständig, da fast alle neuen Wohngebiete weit ab von den Kirchen entstanden. Hinzu kam, daß keine der beiden Kirchen über hinreichende Nebenräume verfügte und die Renovierung der Uerentruper Kirche sehr hohe Kosten verursacht hätte. Keine der beiden Kirchen konnte die Gemeinde wirklich fassen. All diese Gründe warfen die Frage nach Planung eines neuen Gemeindezentrums auf.


Heutige Heilig-Geist Kirche
Heutige Heilig-Geist Kirche

Nach Erwerb eines etwa 4200 qm großen Grundstücks an der Spandauer Allee wurde 1990/91 die neue Heilig-Geist-Kirche als Gemeindezentrum gebaut und am 15.09.1991 geweiht.

Zur teilweisen Finanzierung dieses Neubaus wurden die alte Heilig-Geist-Kirche nebst Pfarrhaus und Doppelhaus und das Kirchengrundstück in Uerentrup verkauft.Die letzten Gottesdienste wurden in Uerentrup am 20.05.1991 und im Wellensiek am 14.09.1991 gefeiert. Die alte Heilig-Geist-Kirche im Wellensiek wird nun von der serbisch-orthodoxen Kirche genutzt.

Im Augenblick zählt unsere Gemeinde etwa 4000 Mitglieder. Über die Baugestaltung und die Einrichtung der neuen Kirche gibt das Faltblatt "Kleiner Kirchenführer" Auskunft.


Mauerreste der Klosterkirche
Mauerreste der Klosterkirche

So jung die Geschichte unserer jetzigen katholischen Pfarrei zu sein scheint, so viel älter ist die christliche Tradition im Gebiet unserer Gemeinde. Sie reicht bis in die Frühzeit der Christianisierung unserer engeren Heimat zurück, die im 8. Jahrhundert begann.

Zu den ältesten Spuren gehören die Grundmauern mehrerer Klosteranlagen auf unserem Pfarrgebiet.

In Niederdornberg wurden 1948 auf einem Acker östlich des Hofes Meyer zur Müdehorst Fundamentmauern einer Kirche ausgegraben. In der "Vita Waltgeri", der von einem Dornberger Geistlichen um 1200 verfaßten Lebensbeschreibung des Hl. Waltger, heißt es, Waltger, Sohn einer christlichen Adelsfamilie aus Dornberg, habe sein Erbe zur Errichtung eines Klosters an dieser Stelle stiften wollen. Als Bauzeit wird das Jahr 790 angenommen. Aus unbekannten Gründen wurde der Bau hier nicht vollendet, sondern in Herford neu begonnen und zu Ende geführt, wo der Hl. Waltger begraben liegt. Seine Dornberger Burg stand in Kirchdornberg an der Stelle, an der sich heute das evangelische Pfarrhaus befindet.


Evangelische Peterskirche
Evangelische Peterskirche

Die heute evan­gelische Peters­kirche in Kirch­dornberg wird in einer Urkunde des Bistums Paderborn von 1281 erstmals er­wähnt. Einen Vor­­läuferbau der heutigen Kir­­­­­che gab es aber bereits vor dem Jahre 800. Bei Ausgrabungen im Jahre 1932 fand man in der Kirche Mauerreste, die aus der Zeit von 750 - 770 stammen müssen. Die heutige Kirche wurde 1327 geweiht. Sie gehört zu einem Netz von vier kirchlichen Zentren (neben der Peterskirche die Iburg bei Bad Driburg, die Hohensyburg bei Dortmund und die Eresburg bei Marsberg), welches Papst Leo der III. und Karl den Großen bewogen hat, 799 an den Paderquellen das Bistum Paderborn zu gründen. In der Peterskirche wurden ursprünglich Reliquien des Hl. Oswald aufbewahrt. Zwischen 1506 und 1527 war die Peterskirche die erste Kirche im Bielefelder Raum, in der die Reformation eingeführt wurde.

Manche Gemarkungsnamen sind bis heute Zeugen religiöser Geschichte auf dem Gebiet unserer Pfarrei. Der südlich der Peterskirche gelegene "Bußberg" (Schwedenschanze, früher Kirchberg), auf dem um die Jahrhundertwende die 3-Kaiser-Gedächtnis­hütte errichtet wurde, leitet seinen Namen von der Hl. Pusinna ab, deren Reliquien um 860 zur Verehrung in die Klosterkirche in Herford überführt worden waren. Die entsprechenden Dornberger Gebiete dienten zu dieser Zeit der landwirtschaftlichen Versorgung des Herforder Klosters. Andere Namen verweisen schlicht auf die Nähe zur Kirche und ihrem Patron. So liegt neben dem Bußberg Richtung Wer­ther der Petersberg mit der Straße "Am Petersberg", daneben der Gottesberg mit der Straße "Am Gottesberg". An Waltger von Dornberg und Wiegand, den Verfasser der "Vita Waltgeri" erinnern noch heute Waltgerweg und Wie­gandweg (Seiten­straßen von "Auf der Egge").


Klosterruine auf dem Jostberg
Klosterruine auf dem Jostberg
Die zweite Spur von Klosterruinen befindet sich auf jenem Teil unserer Pfarrei, der auf dem Rücken des Teutoburger Waldes liegt. Im Laufe des 15. Jahrhunderts entstand dort auf dem Jostberg eine kleine Wallfahrtsstätte mit Pilgerhäuschen. Sie wird erstmals 1480 urkundlich erwähnt als Verehrungsstätte für den Hl. Jodokus (‘Jost’ ist die Kurzform für ‘Jodokus’ im Volksmund). Von 1483 - 1490 wurde an gleicher Stelle eine Kapelle erbaut, bei der sich 1498 Franziskaner niederließen. 1502 wurde diese Kapelle aufgegeben und mit dem Bau einer Kirche und eines Klosters am tiefer gelegenen Wegekreuz begonnen (heutige Grabungsstelle).

1507 gestattete Papst Julius II. die Verlegung des Klosters in die Bielefelder Altstadt, wo 1511 mit dem Bau der St. Jodokus Kirche begonnen wurde. In einem Vertrag zwischen dem Stifter des Klosters am Jostberg und dem Franziskanerorden war festgelegt worden, daß die Jostbergkirche bestehen bleiben sollte. Aus Gerichtsakten ergibt sich aber, daß bereits 1567 mancher Stein abgetragen war. Die Grundmauern der Kirche wurden vor wenigen Jahren freigelegt und sollen als Baudenkmal erhalten bleiben. Der Kreuzweg unserer Heilig Geist Gemeinde führt alljährlich zu den Fundamentresten dieser ehemaligen Kirche.


Mönkehof in Uerentrup
Mönkehof in Uerentrup

Die dritte Spur mittelalterlichen klösterlichen Lebens findet sich in Uerentrup. Von etwa 1200 - 1803 gehörte der hier liegende Mönke­hof, hervorgegangen aus "Mönche-Hof", zum Zisterzien­serkloster Marienfeld. Dort ar­beiteten Mön­che in der Land­­wirtschaft, um das Kloster mit Nahrungs­mitteln zu versorgen. 1803 wurde das Kloster zwangs­weise während der napoleonischen Zeit aufgehoben.

Der Hof ging zunächst an das kurzlebige Königreich Westfalen und 1813 an das Königreich Preußen über. 1817 erwarb die Familie Krüger den Hof. Im Bereich des Hofes war 1473 eine Kapelle gebaut worden. Sie brannte wenig später ab, wurde jedoch wieder errichtet. Auch diese Kapelle wurde 1876 durch Brand zerstört, nachdem sie seit 1803 nicht mehr gottesdienstlich genutzt wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden Hl. Messen gefeiert, da der Mönkehof von der Reformation, die sich im ganzen Ravensberger Land vollzogen hatte, unberührt blieb. Ein behauener und mit Steinmetzzeichen versehener Sandstein aus dieser Kapelle war zunächst Grundstein der Uerentruper Kirche "Heilige Familie" und ist heute an der Innenseite einer Wand der neuen Heilig-Geist-Kirche zu sehen. Ein Teil eines gotischen Maßwerkfensters aus der ehemaligen Kapelle des Mönkehofes befindet sich heute in der evangelischen Markus-Kirche in Uerentrup.

Beide Gemeinden haben auf diese Weise einen steten Hinweis auf ihre gemeinsamen geschichtlichen Wurzeln. Ebenso stellen sie Zeichen jener guten Ökumene dar, die unsere katholische Pfarrei heute mit allen anderen evangelischen Ortsgemeinden in Dornberg verbindet.


Stein aus der Kapelle des Mönkehofes



Stein aus der Kapelle des Mönkehofes mit alten Steinmetzzeichen und Jahreszahl der Grundsteinlegung der Kirche Heilige Familie




Bildliche Darstellungen, wie diese Federzeichnungen, erstellt in vielfältiger Weise auch als farbige Aquarelle eine Künstlerin aus der Gemeinde, Frau Ursula Strakhof. Sie können einige als Reproduktion in Din A4-Format oder als Postkarte im Pfarrbüro erwerben.
Zu Fragen der Geschichte der Gemeinde stehen Ihnen gerne Herr Gerhard Heidemann oder Pfr. DDr. Jacobs (0521/101643) zur Verfügung.

Sie suchen...