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Wandbilder - wechselnde Kunst im Kirchenjahr


Die Textilbilder, die abwechselnd zu verschiedenen Zeiten des Kirchenjahres in unserer Kirche hängen, wurden entworfen und gestaltet von der Künstlerin Magdalena Hofmann-Soare.

Das Hungertuch in Heilig Geist


Hungertücher entstanden, um in Kirchen die österlichen Bilder für eine Zeit lang zu verdecken. Statt auf den Darstellungen der himmlischen Wirklichkeit sollte in der Fastenzeit der Blick auf jenem Geschehen ruhen, durch das die Erlösung des Menschen erst möglich gemacht wurde: die Hingabe und das Leiden Jesu. So bedeckt auch das Hungertuch in der Heilig Geist Kirche für einige Wochen einen Teil des österlichen Lichtes, welches durch das nach Osten gerichtete zentrale Fenster fällt, sowie die schöne Darstellung der Osterbegegnung der Jünger auf dem Tabernakel.

Die Gestaltung reiht sich ein in die lange Tradition, welche auf Hungertüchern die "Arma Christi" abbildete, d. h. die Waffen Christi, die in seinem Leiden ihn verletzten, aber gerade dadurch zu Werkzeugen der Erlösung wurden.

Es finden sich auf dem Hungertuch die Werkzeuge der Kreuzigung Jesu wie Nägel, Hammer, Zange und Leiter; die Mittel der Verspottung und Demütigung wie das Jesus ausgezogene Gewand und die Würfel der Soldaten, die es verlosten; die Münzen aus dem Verrat des Judas; die Geräte der Folter wie Speer, Essigschwamm, Geißel, Dornenkrone; das INRI-Schild mit dem Grund seiner Verurteilung als König der Juden.

Ebenso aber sind Hoffnungs- und Glaubensbilder in diese Darstellung hinein gewoben. Alles gründet im unteren Teil des Bildes auf den liegenden Kreuzesbalken am Fuße des Berges Golgatha, die entsprechend einer seit langem verwandten Bildsprache gleichzeitig Ausdruck der zur Seite geschobenen Grabplatten und der geöffneten Pforten der Unterwelt sind. Weiterhin findet sich im unteren Drittel die Bibel mit Alpha und Omega als Sinnbild der Überzeugung, dass dieses Leiden "gemäß der Schrift" geschah, sowie die Flamme göttlichen Lebens, die auch im Tod nicht erlischt. In die Dornenkrone hinein ist das griechische Christusmonogramm gezeichnet, denn der Leidende ist doch der Gesalbte, der Messias. Über den Schultern des Gewandes Jesu wölbt sich der Regenbogen, über ihm wiederum finden sich Kelch und Hostie - gemeinsam sind sie Zeichen des Alten und Neuen Bundes. Denn Gott ist treu in seinem Bund, die Erlösung durch Jesus vollendet das Heilsgeschehen aller Generationen.

An mehreren Stellen wird angedeutet, dass im Leiden Jesu nicht nur der Mensch gewordene Sohn, sondern der dreifaltige Gott gelitten hat und erlösend anwesend ist. So sind die fünf Wundmale auf dem Gewand Jesu in dreieckiger Form ausgeführt. Das Zeichen des dreifaltigen Gottes schließt auch in der Höhe das Bild ab: Dort, wo aus weltlicher Sicht Jesus im INRI-Zeichen als König für gescheitert erklärt wurde, senkt sich die Krone des himmlischen Königtums und der Herrschaft im himmlischen Jerusalem. Dabei drückt die Gestalt der Taube und die dreifache Linienführung aus, dass der dreieinige Gott im Erlösungsgeschehen des Kreuzes gegenwärtig ist.


Maria im Rosenkranz


In den Marienmonaten Mai und Oktober hängt dieses rot grundierte Wandbild über Taufbecken und Osterkerze und verbindet sie mit dem Rot der Fenster im oberen Teil der Kirche: Vom Ort der Christwerdung zieht es den Blick in die Höhe und richtet ihn himmelwärts. In der Mitte des Bildes zwischen Erde und Himmel ist Maria ihrem Kind in nicht mehr zu überbietender Weise nahe, beider Wangen berühren sich – ein häufiges Motiv der Ikonenkunst. Jesus reicht Maria eine stilisierte Lilie, in kirchlicher Zeichensprache Ausdruck gottgeschenkter Reinheit und Ausstrahlungskraft Mariens. Die Gewänder von Mutter und Kind fließen ineinander und verstärken noch die Impression von Einheit. Visionen der Apokalypse des Neuen Testaments aufgreifend (Offb. 12,1), ist Maria in himmlischer Vollendung und als herausragende Fürsprecherin der Menschen bei ihrem Sohn dargestellt. Maria, auf der Mondsichel stehend, ist von zwölf Sternen umgeben, die als zehn Rosen, Kreuz und Krone himmlischen Lebens einen Rosenkranz bilden. Das Rosenkranzgebet und das von diesem vermittelte geistliche Verharren in Christi Nähe sind das Wichtigste, was Menschen von Maria lernen können, seit Jesus sie seinen Jüngern als Mutter anvertraute. Das Kreuz verweist mit seiner dreifachen Kontur auf das Wirken der Dreieinigkeit bei der Menschwerdung Gottes aus der Jungfrau Maria. Der Kreis in der Mitte des Kreuzes, Sinnbild eines Brunnens, stellt die gedankliche Verbindung zum Taufbecken her: Alle Erlösung, jedes Geschenk von Heilung und Heil, jede Erhörung von Gebeten haben ihre eigentliche Quelle im göttlichen Heilswillen.


Jesus Christus, der Pantokrator und Lehrer


‚Du Licht vom Lichte, du zeigst uns das Antlitz des Vaters;

in Liebe leuchtest du: Jesu Christ.’

Christushymnus


Jesus Christus, der Pantokrator und Lehrer


Christen blicken auf zu Jesus Christus, ihm möchten sie nachfolgen in ihrem Leben. Wer ihn vor Augen hat, sieht den Vater.

In diesem Wandbild sind mit Rückgriff auf die klassische Ikonographie in moderner Bildsprache verschiedene Darstellungsweisen Christi als Pantokrator und Lehrer ineinander verschränkt.

Pantokrator ist ein Ehrentitel für den auferstandenen Christus, der zur Rechten des Vaters sitzt als Herrscher der Welt. Das Wort kommt aus dem Griechischen, die Silben bedeuten "panto-", "alles-", und "kratos", "Macht", "Herrschaft". Die Macht Christi ist eine segnende. Deshalb hat er die rechte Hand zum Segensgestus erhoben.

Ebenso ist Jesus Christus der Lehrer der Glaubenden. So hält er in der linken Hand das geschlossene Evangelium.

Die Grundfarbe der Linien, der Nimbus und das Gesicht Jesu sind golden: Christus als der Auferstandene lebt in der Fülle des göttlichen Lichtes, die noch kein menschliches Auge gesehen hat. Aus dieser Fülle der Liebe fällt Licht auf unser Leben.

Die Gesichtszüge Jesu sind nicht in Linien ausgearbeitet, sondern in goldenen Nähten auf goldenem Untergrund angedeutet: Gott hat zwar in Jesus die sichtbare menschliche Gestalt angenommen, die einzelnen Züge treten jedoch angesichts der Strahlkraft des Göttlichen zurück.

In den Ecken des Wandbildes links und rechts oben finden sich in Kurzschrift die griechischen Buchstaben für Jesus Christus: IC und XC. Das I ist der Anfangsbuchstabe von Jesus, das C ist jener Buchstabe des griechischen Alphabets, der verwandt wird, wenn ein „s“ in Großschrift am Ende eines Wortes steht. Das X ist der Anfang von Christus, das C wiederum das Schluss-„s“ dieses Namens. Der Strich darüber ist das Zeichen für Kurzschrift.

Die Finger der rechten Hand Christi zeigen eine besondere Ausdruckstellung, welche wiederum das Monogramm IC XC abbildet. Der aufrechte Finger formt das I, der leicht gebogene das C, die unteren gekreuzten Finger das X, danach wird wieder zum zweiten Mal das obere C gelesen.

Im Nimbus, dem Lichtkranz um den Kopf Christi, finden sich die griechischen Buchstaben „Ό ΩΝ“, „Der Seiende“.


Die Kreuzigung


Das Bild des Gekreuzigten hängt vom Palmsonntag bis zum Karsamstag in der Kirche. Es stellt Christus im Moment des Todes dar. Doch obwohl der vergehende Schmerz der Nägel, Wunden und Dornenkrone nicht verschwiegen wird, geht von diesem Bild gleichzeitig eine Botschaft von Erhabenheit, Größe und Frieden aus. Die Gestalt Jesu drückt eines seiner letzten Worte aus:

- In manus tuas, Pater, commendo spiritum meum!

- In deine Hände, Vater, lege ich meinen Geist!


 



 



Die Auferstehung


Das Bild des siegreichen Christus hängt von Ostern bis unmittelbar vor Pfingsten in der Kirche: „Ich bin das Licht, die Wahrheit und das Leben!“ Das Motiv ist auch auf der Glocke 2 – Auferstehung abgebildet. Christus erhebt sich als Sieger aus dem Grab, selbst das Gewand ist von dieser Aufwärtsbewegung erfasst. Die Steinplatten des Grabes sind zur Seite geschoben – sie bilden ein Kreuz, das jedoch nicht das letzte Wort hat. Der Stab lässt an der Spitze das eigentliche Zeichen der Erlösung erkennen: Gott scheute nicht das Kreuz, nicht das Leid, nicht den Tod – aus Liebe zum Menschen. Am Fuß des Stabes zeigen die drei Verstrebungen, dass in Tod und Auferstehung Jesu Gott in seiner Ganzheit, in der Dreifaltigkeit anwesend und wirksam war. Die Zeichen im Lichtkranz um das Haupt Jesu halten in griechischer Sprache und Schrift fest, dass der Auferstandene „Ο ωΝ“ ist, „Der Seiende“. Die weiße Farbe, die Dynamik der Bewegung und die Größe des Wandbildes drücken die ganze Freude der Auferstehung und der österlichen Lebenshoffnung aus. 






Pfingsten


Das Pfingstbild zeigt in einer komplexen Darstellung die Aussendung des Heiligen Geistes. Feuerzungen in der Zahl der zwölf Apostel bilden einen Bogen, in dessen Zentrum der Kelch oder auch die Krippe das Geheimnis der Menschwerdung Christi und seiner eucharistischen Gegenwart versinnbildlichen. Maria, dargestellt in der Lilie, ist nach dem Zeugnis der Apostelgeschichte in diesem Moment in der Mitte der Apostel und der Kirche. Im oberen Teil des Bildes ist Trinität dargestellt, wie sie sich in dieses Heilsgeschehen hineinbegibt: Gott, der Vater, den kein Auge je gesehen und kein Ohr je gehört hat, ist dargestellt durch die bildleere Mandorla, umgeben von den himmlischen Serafinen links und rechts. Der Heilige Geist senkt sich in Gestalt einer stilisierten Taube mit nach vorne gebogenen Flügeln der Erde entgegen. Der Kopf und das Auge dieser Taube bilden im selben Moment das ρ, das griechische R, den zweiten Buchstaben des Namens Christus in griechischer Schreibweise. Dieses uralte Christuszeichen Xρ wiederum geht im Bild sowohl aus dem himmlischen Geschehen hervor als auch aus der eucharistischen Gestalt der Hostie. So sind in diesem Pfingstbild die Geheimnisse der Dreifaltigkeit, der Eucharistie, der Kirche und der Geistsendung in gegenseitiger Durchdringung gemeinsam zeichenhaft dargestellt.


Friede sei mit euch!

Empfangt den Heiligen Geist!


Das Neue Jerusalem


Das Bild ist eine Hilfe für Augen, für Gedanken und Glauben in der Zeit des Kirchenjahres, die sich mit dem Weg der Menschen zu Gott, mit Tod und Ewigkeit beschäftigt: die letzten Sonntage des Kir­chenjahres, den Festtag Allerheiligen, den Allerseelengedenktag und das Christkönigsfest.

Dieses Bild hat zwei ganz große Teile, sehr verschieden in ihrer Gestaltung. Oben ist es ausladend, in einer großen Klarheit mit breiten Linien. Dieser Teil hat eine Bewegung, ja fast eine Pfeilrichtung, die sich von oben nach unten senkt.

Im unteren Teil des Bildes findet sich eine Gegen-Bewegung: aus der Spirale heraus nach oben. Die Linien sind eher filigran und bilden feine Figuren ab.

Das Gesamtbild steht für den Weg des Menschen Gott entgegen und Gottes Entgegenkommen aus der Ewigkeit heraus.

Keiner von den vielen Menschen dieser Erde ist wirklich allein! Das gilt für unser Leben, es gilt aber auch für den Weg über das irdische Leben hinaus Gott entgegen. Vor allem aber spricht aus diesem Bild die Verheißung Christi, dass Gott selbst sich uns nähert.

Die christliche Hoffnung ist, dass wir einmal alle zur Herrlichkeit der Auferstehung gelangen. Diese Hoffnung ist bildhaft dargestellt.

Das Bild lässt ein Ziel für den menschlichen Lebensweg erkennen, unser Wandern ist kein Selbstzweck. Es zeigt im oberen Teil in der Mitte so etwas wie stilisierte runde Türme und Zinnen einer Stadt. Dies steht für das „Himmlische Jerusalem“, das biblische Bild für das ewige Zusammensein mit Gott und miteinander.

Über diese Türme und Zinnen legen sich – diesmal etwas spitzer – die Zacken einer Krone: Zeichen der Herrschaft Christi am Ende aller Zeiten, Christkönig.

Um diese Krone und dieses Himmlische Jerusalem schmiegt sich von außen etwas anderes - die Taube als Symbol des Hl. Geistes, die von oben herunter kommt. Das ist für uns sehr wichtig, die wir eine Heilig-Geist-Gemeinde sind. Um den Kopf der Taube herum ist noch einmal ein anfangsloser Bogen geschlagen, der ewige Vater, der gewissermaßen eine  dritte Welle bildet: es ist der ganze dreieine Gott, der uns entgegen kommt. Der trinitarische Gott will, dass ein Ziel in uns sei, das all diese Hoffnung umschließt.

All dies will sagen: Gott kommt uns entgegen, und auf ihn gehen wir hin, unser Ziel ist das Sein in Gott und damit in nie endender Liebe.




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